Was ist Heraldik? Eine kurze Einführung
Die Heraldik kann dreierlei bedeuten: zum einen die Wappenkunst, also die heraldisch korrekte und ästhetisch anspruchsvolle Gestaltung von Wappen. Zum anderen ist es die Wissenschaft von den Wappen (frz. sciences des blasons), wie sie an den geschichtlichen Fakultäten der Hochschulen gelehrt wird. Und schließlich heißt Heraldik auch Wappenrecht, zum Beispiel als Teilgebiet einer juristischen Ausbildung.
Heraldik ist aber noch mehr. Heraldik wird zur gelebten Geschichte, wenn man sich mit den Wappenbildern beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit der Wappenkunde umfasst so verschiedene Gebiete wie Zoologie und Botanik, Kirchengeschichte, Soziologie, Technikgeschichte, Mentalitäts- und Kunstgeschichte, Genealogie und natürlich mittelalterliche sowie neuzeitliche Politik.
Das Wort Heraldik leitet sich vom Beruf des Herolds im Mittelalter ab. Der Herold war nicht nur für den korrekten Gebrauch der Wappen zuständig, sondern vermittelte beispielsweise bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien und handelte Friedensverträge aus. Er war stets unbewaffnet und genoss Immunität.
Kommunalwappen
Seit dem Mittelalter (zirka 13. Jahrhundert) repräsentieren Kommunal- und Amtswappen als Hoheitszeichen die Staatsgewalt. Sie dienen zudem als identitätsstiftende Symbole für die jeweilige Bevölkerung. Die ersten Städtewappen entwickelten sich aus den zuvor schon bestandenen Siegelbildern.
Wappen und Schild
Der Hauptbestandteil des Wappens ist der Schild (nicht zu verwechseln mit “das Schild”, zum Beispiel ein Verkehrszeichen). Das Motiv auf dem Schild kann eine geometrische Schildteilung sein (ein so genanntes Heroldsstück) oder eine bildliche Darstellung (eine so genannte Gemeine Figur). Meist ist es eine Kombination aus beidem.
  
Links: Schild nur mit Heroldsstück (Stadt Ulm). Mitte: Schild nur mit gemeiner Figur (Bad Tölz). Rechts: Kombination aus beidem (von Spiring).
In heutiger Zeit hat sich als Schildform für Kommunalwappen der Halbrundschild eingebürgert. Dabei sollten die Seitenlinien nicht ganz parallel sein, da dies am Übergang zur unteren Rundung optisch zu einem “Knick” führen würde.
Vollwappen
Das Vollwappen verfügt zusätzlich zum Schild über ein Oberwappen (bestehend aus Helm, Helmzier, Krone oder Wulst, Helmdecke) sowie manchmal auch über so genannte Pracht- oder Prunkstücke (Wappenmantel, Schildhalter, Wahlspruch).
Bei Adelswappen soll der Bügelhelm (Spangenhelm) verwendet werden, bei bürgerlichen Wappen der Stechhelm. Jedoch wird diese Unterscheidung eher selten eingehalten. Die älteren Topf- und Kübelhelme jedoch finden ausschließlich bei Wappen des Uradels Verwendung.
Die Helmdecke hat ihren Ursprung vermutlich als Sonnenschutz für den Nacken beim Weg der Kreuzritter in den Orient. Die Helmdecke ist meist floral oder ornamental ausgefranst und wird sehr stilisiert dargestellt.
Die Helmzier (auch Zimir oder Helmkleinod) ist ein dem Helm aufgepflanztes schmückendes Element, das nur bei Ritterturnieren in Erscheinung trat. Meist wird bei der Helmzier die Gemeine Figur des Schildes, sofern vorhanden, wieder aufgenommen.
Vollwappen spielen in der Kommunalheraldik so gut wie keine Rolle.
 
Beispiel für ein Vollwappen mit Stechhelm und Krone: Wappen des
Herzogs in Bayern (Haus Wittelsbach) – „Wittelsbacher-Wappen“.

Beispiel für ein Vollwappen mit Bügelhelm und Wulst: Wappen von Sandizell.
Tinkturen
Die Farben im Wappen nennt man Tinkturen. Sie werden unterschieden in Metalle (Gold und Silber) sowie in Farben im engeren Sinne (Rot, Blau, Schwarz und Grün). Tingierung ist die Farbgebung des Wappens. Die Tinkturen auf dem Schild sind von ebenso großer Bedeutung wie die Schildteilungen und Figuren. – Da auf dem Gebiet der Tingierung von Wappen und digitalen Siegeln der Bedarf nach Vereinheitlichung bestand, habe ich auf Anregung des Bayerischen Hauptmünzamtes eine Expertise zum Thema verfasst, die hier heruntergeladen werden kann.
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Blasonierung
Die fachgerechte Wappenbeschreibung eines Wappens nennt man Blasonierung. Sie bedient sich einer ganz eigenen Sprache und Wortwahl und ist ebenso streng aufgebaut wie die Wappen selbst. In der Wertigkeit steht die Blasonierung über dem Wappen. Das heißt: Stil, Technik und “Handschrift” eines Wappens können sich ändern, die Wappenbeschreibung aber ist durch die Zeiten unveränderlich und bindend.
Die Seite “Heraldik” ist im Aufbau begriffen. Nach und nach wird hier mehr Wissenswertes über die Wappenkunde zu lesen sein. Für eine eingehende Beschäftigung mit der Heraldik empfehle ich die Lektüre der Werke auf der Seite Literatur.
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